Tristan Kaufhold und Sven Wagner sorgen für „Glanzlichter“ bei der langen Laufnacht in Karlsruhe

  01.06.2023    HLV Wettkampfsport

Wer auf der Mittel- und Langstrecke eine Garantie für gute Rennen haben möchte, kommt an der „langen Karlsruher Laufnacht“ nicht vorbei. Die immer hervorragend organisierte Veranstaltung im Badischen hat sich längst zum „Hotspot“ der Szene entwickelt und ist weit über die Landesgrenzen bekannt. 

Ein paar Zahlen gefällig? Weit über 500 Teilnehmer aus 164 Vereinen und 30 Nationen verteilt auf knapp 50 Rennen über 800 Meter, 1500 Meter, 3000 Meter Hindernis sowie 5000 Meter findet man nirgendwo in Deutschland. Bei den Männern wurden über 800 Meter elf Rennen gestartet, über 1500 Meter zehn. Alle mit erfahrenen Tempomachern, damit möglichst viele Teilnehmer eine Bestzeit erreichen oder eine der vielen Normen für nationale oder internationale Aufgaben erfüllen können. Zudem gehörte das Meeting erstmals zur „World Athletics Continental Tour“, womit hier wertvolle Zähler fürs World-Ranking erworben werden konnten. Auch die Hessen waren mit vielen Aktiven dabei und konnten eine ganz Reihe von Spitzenleistungen bejubeln. Die Uhr zeigte schon 21:45 an, als der A-Lauf über 5000 Meter gestartet wurde. Nach flotten 13:33,05 Minuten gab es einen neuen Meeting-Rekord durch Tom Mortimer. Der Brite löste damit problemlos Ahmed el Ami Tarig (RSA) ab, der vor vier Jahren 13:40,80 Minute markiert hatte. Ein tolles Rennen lieferte Sven Wagner (Königsteiner LV) ab, der noch der U23 angehört. Wagner ist eigentlich 1500-Meter-Spezialist. Er „kann“ es aber auch über die 5000 Meter, was er mit einer starken Schlussrunde eindrucksvoll unter Beweis stellte. Er sammelte noch einige Gegner ein, unterbot mit 13:51,06 Minuten die Norm für die U23 Europameisterschaften in Finnland, war bester Deutscher und setzte sich an die Spitze der deutschen Jahresbestenliste seiner Klasse. Kilian Schreiner (ASC Breidenbach) beendete den A-Lauf nach 14:17,92 Minuten (22.). Weitere Resultate: 41. Patrick Andres (LG Bischoffsheim/Ginsheim) 14:41,42 Minuten, 72. Fabian Sposato 15:33,21, 86. David Johnson (beide SSC Hanau-Rodenbach) 16:03,27.

Beim Nachwuchs der U18 war auch Tristan Kaufhold (SSC Hanau-Rodenbach) über die zwölfeinhalb Runden unterwegs und unterstrich einmal mehr in diesem Jahr seine Top-Form. Mit 14:22,63 Minuten war dem SSCler der Sieg nicht zu nehmen. Tristan führt damit das nationale Ranking in der älteren U20 an, packte sogar die EM-Norm (14:27,50 min.) in dieser Klasse und ist bei den U18ern die „erste Wahl“ für den EYOF-Start in Maribor (SLO). 

Zurück zu den Männern, wo es auch über 800 Meter einen Meetingrekord gab. Der Pole Filip Ostrowski setzte das neue Maß der Dinge bei 1:45,62 Minuten und löschte damit 1:46,00 Minuten von Mohamed Belbachir (ALG) aus der Statistik. Für Niklas Harsy (Athletics Team Karben) lief es nicht ganz nach Wunsch, blieb er mit 1:52,44 Minuten (22.) doch knapp über der B-Norm für die DM in Kassel.

Der nächste Meeting-Rekord folgte bei den 1500 Metern, die fest in ausländischer Hand waren. Jochem Vermeulen (BEL) überzeugte mit 3:35,80 Minuten und tilgte damit die Vorjahresmarke des Franzosen Azzedine Habz (3:36,62 min.). Christoph Schrick vom Königsteiner LV hakte mit seinen 3:45,51 Minuten (22.) die DM-Limits bei den Männern (Kassel) sowie U23 (Göttingen) ab. Weitere Resultate: 42. Marius Abele (SSC Hanau-Rodenbach) 3:50,16 Minuten, 59. Nour Harouch (Eintracht Frankfurt/U23) 3:58,39, 60. Nick Frölich (KSV Baunatal/U23) 3:58,77, 61. Sebastian Hauf (TV Trebur) 3:58,81.

Über die 3000 Meter Hindernis sorgte der Italiener Enrico Vecchi dafür, dass auch hier der Meetingrekord verschwand. Letztes Jahr hatte Niklas Buchholz (LSC Höchstadt/Aisch) 8:37,31 Minuten vorgelegt. Diese Marke wurde nun von Vecchi kassiert, der 8:35,11 Minuten in die Wertung brachte und sich damit sicher gegen Jan-Pieter Hannes (BEL/8:42,55 min.) durchsetzte. Julius Held (SSC Hanau-Rodenbach/21.) konnte nach 9:32,48 Minuten die Ziellinie überqueren.

Kommen wir zu den Frauen. Anfangs der Zielgeraden sah es noch nach einem 800-Meter-Sieg für die Slowenin Jernesja Smonkar aus. Doch Katharina Trost (LG Stadtwerke München) gab nicht auf, schob sich auf den letzten Metern noch ganz knapp nach vorne und hatte mit 2:04,72 Minuten am Ende winzige 0,02 Sekunden Vorsprung. Sophia Volkmer (TV Wetzlar) lief mit 2:06,72 Minuten als Neunte unter die Top-Ten, machte hinter der A-Quali für Kassel ein Haken und kann nun in Richtung Normerfüllung für Espoo (FIN) blicken. Sophia Wolf (TV Groß-Gerau/17.) lief mit 2:10,68 Minuten in den Bereich ihrer Bestzeit, während Lara Tortell (Athletics Team Karben) mit nur 2:13,54 Minuten (24.) nicht an ihr normales Leistungsniveau rankam.  

Bei den 1500 Metern hatte Joceline Wind (SUI) in 4:13,01 Minuten die schnellsten Beine und hielt damit knapp Caterina Granz (LG Nord Berlin/4:13,68 min.) sowie Aimee Pratt (GBR/4:13,92 min.) auf Distanz. Marie Burchard vom Athletics Team Karben absolvierte ein gutes Rennen, gewann ihren Zeitlauf und spulte hier die letzten rund 500 Meter im Alleingang ab. In der Gesamtwertung bedeuteten ihre 4:21,14 Minuten den Neunten Patz und das Ticket zur DM in Kassel. Anna Lisa Eichhorn (MTV Kronberg/35.) kam auf 4:39,07 Minuten. 

Prominenten Besuch gab es über 5000 Meter. Marusa Mismas, Olympia-Teilnehmerin von Tokio mit einer Hindernisbestmarke von 9:14,84 Minuten, gab diesmal der flachen Langstrecke den Vorzug. Am Ende hatte die erfahrene Slowenin hier mit 15:08,12 Minuten die Nase vorne. Tania Moser (Spiridon Frankfurt/W30), sonst auch auf der Straße und im Marathon unterwegs, erzielte 16:51,56 Minuten. Eva Maria Sulzer (Eintracht Frankfurt) hatte nach 17:05,32 Minuten locker das Limit für die U23-DM unterboten. 

Der einzige Meetingrekord bei den Frauen ging auf das Konto von Olivia Gürth (Dieser TSK Oranien). Die U23-Athletin lieferte sich über 3000 Meter Hindernis ein spannendes Duell mit der erfahrenen Irin Michelle Finn. Ein energischer Antritt bedeutete die Entscheidung (9:41,23 min.) zu Gunsten der jungen Deutschen. Weiteres Resultat: 26. Emma Graf (Königsteiner LV) 11:05,55 min.

Bei den Jungs der U20 kann Tom Stöber (TV Wetzlar) nach seinen 1:53,65 Minuten (6.) über 800 Meter ein Zimmer für die DM in Rostock buchen. An der Spitze des Feldes überragte der Schweizer Ramon Wipfli mit 1:48,22 Minuten. Weiteres Resultat: Leon Brinkmann (LC Mengerskirchen/17.) 2:00,88 min. Über 1500 Meter sprangen Noel Freder (VfL Altenstadt/11.) mit guten 3:56,38 Minuten, Benedikt Hoffmann (TV Waldstraße Wiesbaden/3:58,71 min.) und auch noch Niklas Steffens (Königsteiner LV/4:05,19 min.) auf den DM-Zug auf. Arvid Lösel (TV Oberstedten) trat nach 16:13,95 Minuten über 5000m die Heimreise nach Hessen an. Im weiblichen Bereich (U20) war die Eintracht aus Frankfurt durch Theresa Ruppersberg (1500 m/5:01,11 min.) und Pauline Poggendorff (5000 m/19:00,50 min.) vertreten.

Resultate: MU18, 800 Meter: 13. Felix Dinges (TV Waldstraße Wiesbaden) 2:01,24 Minuten, 18. Jonathan Klein (KSV Baunatal) 2:02,84, 29. Tim Späth (LC Mengerskirchen) 2:11,18.

1500 Meter: 13. Finn Regina (TV Wetzlar) 4:05,12 Minuten (DM-Norm), 24. Marvin Heuser (TV Waldstraße Wiesbaden) 4:22,33 min.

WU18, 15. Anne Schneider (SSC Hanau Rodenbach) 2:23,81 Minuten.

1500 Meter: 17. Hannah Lösel (Eintracht Frankfurt) 4:49,02 Minuten (DM-Norm).

Jens Priedemuth