Rekord hält seit 1972
  29.07.2020 •     Kreis Hofgeismar , Berichte


Rainer Müller sorgte als 14-Jähriger für langlebige Bestmarken

Hombressen - Noch vor Martin Vialon und Manfred Hoffmann (über die wir bereits berichteten), hatte die LG Reinhardswald ihren ersten Mittelstreckenstar mit Rainer Müller. Der Athlet des TSV Hombressen rückte 1972 ins Rampenlicht. Mit seinen im Sommer des Jahres, am 14. Juni, erzielten 2:43,6 Minuten über 1000 Meter (damals Hessenrekord) steht Müller seit jetzt 48 Jahren unangefochten an der Spitze der Kreisrekordliste der Altersklasse M14. Am nächsten kam dieser Marke der Dritte der deutschen Blockmehrkampfmeisterschaften, Patrick Ahl (TSG Hofgeismar), mit 2:46,76 Minuten im Jahr 2006.

Zur Leichtathletik gekommen ist Müller über den Schulsportwettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“. „In einem schulinternen Auswahlrennen auf der schwarzen Aschenbahn auf dem Jahnsportplatz ist Rudi Steinbrecher auf mich aufmerksam geworden. Das war 1970.“ Sein erster Leichtathletikverein war aber die LG Baunatal/ACT Kassel, wo er unter unter Federführung von Günther Batz trainierte. „Mit der LGB hatte ich 1971 meinen ersten großen Erfolg, als wir Deutscher Meister in der Schülermannschaftsmeisterschaft geworden sind.“ 1972 erfolgte dann durch Rudi Steinbrecher die Gründung der LG Reinhardswald, um die Kräfte im Kreis Hofgeismar zu bündeln und auch die Leistungsgruppe der ASS in den Wettkampfbetrieb des Leichtathletikverbandes einbinden zu können. Müller wechselte zu seinem Heimatverein TSV Hombressen, einem der Gründungsvereine der LGR. Hier trainierte ihn sein Bruder Klaus. Und Rainer Müller sorgte im neuen Trikot sofort für Furore. Er setzte den Hessischen Rekord über 1000 Meter der Schüler M14, gewann souverän die Bezirksmeisterschaft und holte in Fulda den Hessischen Meistertitel. Die Krönung des Jahres erfolgte im Dezember beim 1. Internationalen Jugend- und Schülerhallensportfest in Dortmund mit über 1200 Teilnehmern. In einem wahren Sturmlauf steigerte sich Müller auf 2:42,1 Minuten und stellte einen Hessischen Hallenrekord für seine Altersklasse auf. Auf Landesebene wurde diese Zeit inzwischen unterboten, aber in der Nordhessischen Rekordliste steht auch diese Marke wie ein Fels in der Brandung. „Für mich als BVB-Fan war es schon etwas Besonderes in der Westfalenhalle zu laufen. Auch dass es für die Sieger Medaillen statt wie sonst nur Urkunden gab, ist mir im Gedächtnis geblieben.“

„Einerseits bin ich sehr stolz, dass diese Rekorde bis heute nicht gebrochen wurden, andererseits finde ich es ein bisschen schade, dass in der ganzen Zeit niemand schneller gelaufen ist“. Vielleicht fehlen heute auch die Vorbilder. In den 70ern, als DLV noch synonym für Deutscher Laufverband stand, war die Zahl der Spitzenläufer groß. Für Müller war Harald Norpoth, Silbermedaillengewinner über 5000 Meter 1964 in Tokio, der Athlet, der ihn für den Sport begeisterte. „Ich bin schon in ganz jungen Jahren Runden um einen Dreschschuppen gelaufen und habe so seine Rennen nachempfunden. Früher hatten wir ja nicht viel Anderes. Heute werden sicherlich viele eher an der Playstation oder am Computer sitzen.“

Auch die vielen einsamen Trainingskilometer sind nicht jedermanns Sache. „Ich habe überwiegend für mich allein im Wald trainiert. Am liebsten habe ich Tempoläufe gemacht. Erinnern kann ich mich noch an eine Trainingswoche in Holland mit dem Hessischen Laufkader. Da mussten wir morgens Hügelläufe in den Dünen machen, die ich gehasst habe und Nachmittags dann noch Tempoläufe. Das hat einen schon an die Grenzen gebracht.“

Aber das harte Training zahlte sich aus. 1974 glänzte Müller wieder in Topform. „Bei einem Sportfest in Obersuhl habe ich innerhalb kürzester Zeit die 800 Meter und die 400 Meter gewonnen“, berichtet er von einer bemerkenswerten Doublette. Bei den Hessischen B-Jugendmeisterschaften setzte er sich über 1500 Meter mit einem langgezogenen Schlussspurt an die Spitze.

Seine persönlichen Bestmarken über 800 Meter und 1500 Meter (4:05,4 Minuten) stellte Müller 1975 auf. Die 800-Meter-Zeit von 1:57,9 Minuten war Kreisrekord der M17, bis sie vor zwei Jahren Simon Schneider (TSV Niedermeiser) im Endlauf der Deutschen B-Jugendmeisterschaften auf 1:56,22 Minuten steigerte.

Sportlich aktiv ist Müller heute nicht mehr, verfolgt aber immer noch interessiert das Leichtathletikgeschehen, vor allem natürlich die Laufwettbewerbe. Beim TSV Hombressen war er mehrere Jahre Vorsitzender der Leichtathletikabteilung.

 

Zur Person

Rainer Müller (62) ist in Hombressen geboren und aufgewachsen. Er besuchte die Grundschule in Hombressen und machte sein Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule in Hofgeismar. Seit seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten arbeitet er bis heute beim Landkreis Kassel, zur Zeit im Fachbereich Jugend. Müller wohnt in Kassel. Er lebt getrennt und ist Vater eines Sohnes und einer Tochter. (zah)

 

Ewige Bestenliste Kreis Hofgeismar
(s. https://hofgeismar.hlv.de/fileadmin/kreise/hofgeismar/Extras/Rekordlisten/EwigeBestenliste.pdf)

1000m

2:28,87 Minuten Jochen Steinbrecher (Männer, 25. Mai 1994)
2:31,05 Minuten Wurie Bah (Männer, 31. Juli 2010)
2:31,4 Minuten Frank Büchling (M19, 12. August 1983)
2:32,0 Minuten Martin Vialon (M17, 26. Mai 1977)
2:33,40 Minuten Philipp Bannier (Männer, 06. Mai 2001)
2:34,10 Minuten Philipp Becker (M18, 30. September 2000)
2:34,28 Minuten Christian Wulff (Männer, 01. Mai 1993)
2:34,6 Minuten Manfred Hoffmann (M19, 14. August 1981)
2:34,8 Minuten Alexander Humme (Männer, 21. August 1999)
2:36,2 Minuten Jürgen Plaum (Männer, 03. September 1986)
2:36,6 Minuten Rainer Müller (M16, 30. Mai 1974)

1500m

3:54,17 Minuten Wurie Bah (Männer, 19. Juni 2010)
3:54,84 Minuten Jochen Steinbrecher (Männer, 24. Juni 1994)
4:00,7 Minuten Martin Vialon (M18, 30. Juni 1978)
4:01,71 Minuten Bastian Mrochen (M16, 16. Juni 2018)
4:04,28 Minuten Christian Wulff (Männer, 30. Mai 1992)
4:04,68 Minuten Harald Lange (Männer, 21. Mai 1994)
4:05,17 Minuten Simon Schneider (M18, 19. Januar 2019)
4:05,4 Minuten Rainer Müller (M17, 22. Juni 1975)
4:05,5 Minuten Dirk Berger (M17, 02. August 1990)
4:06,1 Minuten Jürgen Plaum (Männer, 08. August 1986)