In 10,6 Sekunden über 100 Meter
  03.05.2020 •     Kreis Hofgeismar , Berichte


Franz Koch sorgte 1971 im Trikot des TSV Udenhausen für Furore

Leichtathletik. Mehr als zehn neue Kreisrekorde werden von den Leichtathleten im Kreis Hofgeismar jedes Jahr aufgestellt. Doch einige Höchstleistungen haben allen Angriffen des talentierten Nachwuchses widerstanden und sind seit fast 50 Jahren Ansporn für neue Athletengenerationen ihr Bestes zu geben. In den nächsten Monaten stellen wir in loser Folge einige der Uraltrekordhalter vor.
Den Anfang macht Franz Koch, der 1971 im Trikot des TSV Udenhausen die Bestmarken der Männerklasse über 100 Meter mit 10,6 Sekunden, im Weitsprung mit 7,23 Metern sowie im Fünfkampf mit 3317 Punkten setzte. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass diese Rekorde heute noch Bestand haben“, sagte Koch als er für diesen Artikel kontaktiert wurde.
Talent hatte Koch früh gezeigt, holte in seinem Heimatort Erlinghausen (bei Marsberg) mehrfach Kreismeistertitel im Dreikampf. Nach dem Umzug nach Friedrichsfeld wurden bei den Bundesjugendspielen in Immenhausen Peter Purkert, Abteilungsleiter Leichtathletik beim TSV Udenhausen und der mehrfache deutsche Dreisprungmeister, Günter Zeiß, der damals als Trainer beim TSV wirkte, auf Koch aufmerksam. Im Winter 1970/71 absolvierte er ein wöchentliches Kreiskadertraing bei Zeiß, was schnell zu sprunghaften Verbesserungen führte. „Ich habe sehr vielseitig trainiert, nicht nur Sprint und Sprung, sondern auch die Wurfdisziplinen.“
Die Erinnerung an die Rekordmarken ist immer noch präsent. „Besonders gut kann ich mich noch an das Sportfest in Homberg erinnern. Hier konnte ich erstmals den früheren Junioren-Europameister Bernd Jacob (KSV Hessen Kassel) besiegen und steigerte meine Bestmarke auf 10,6 Sekunden.“
Während Kochs Rekorde im Weitsprung und im Fünfkampf unangetastet geblieben sind, wurde der 100-Meter-Rekord zumindest eingestellt. 1990 sprintete der Grebensteiner Rüdiger Kepper (TSG Hofgeismar) elektronisch gestoppte 10,82 Sekunden, die der handgestoppten Zeit von 10,6 Sekunden gleichwertig sind.
Der Weitsprungrekord fiel bei einem Sportfest in Grebenstein. „1970 lag meine Bestleistung noch bei 6,65 Metern, die Steigerung auf 7,23 Meter war unglaublich“. In dieser Disziplin wurde Koch Hessischer Juniorenmeister, ebenso im Fünfkampf.
„Der TSV Udenhausen war damals in der Leichtathletik ein Aushängeschild im Kreis Hofgeismar, durch das Training mit Günter konnten sich alle Athleten steigern“, blickt Koch gerne auf diese Zeit zurück. Auch für verrückte Aktionen war er zu haben. Neben der Leichtathletik spielte Koch Tischtennis. „Aufgrund einer Wette bin ich einmal bei einem Match aus kurzem Anlauf längs über eine Tischtennisplatte gesprungen“.
1972 wechselte Koch in die Sportfördergruppe der Bundeswehr in Porz-Wahn und zu Bundestrainer Bert Sumser. Nach zunächst Leistungsstagnation und einer Verletzungspause trumpfte Koch 1973 mit 10,4 Sekunden im 100-Meter-Lauf und 21,3 Sekunden über 200 Meter auf. Mit der Sprintstaffel des TSV Bayer 04 Leverkusen wurde er Dritter bei den Deutschen Meisterschaften. Weitere große Erfolge waren die Teilnahme an den Militärweltmeisterschaften 1973 in Florenz im Team mit Guido Kratschmer und Detlef Uhlemann, Platz zwei bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften 1978 sowie mehrere Medaillen bei Norddeutschen Meisterschaften im Trikot der TG Göttingen während des Lehramtsstudiums.
„Von 1979 bis 1992 spielte die Leichtathletik dann keine große Rolle mehr. Der Berufseinstieg als Lehrer für Mathematik und Sport, Heirat, Hausbau und Kinder (Koch ist Vater von vier Kindern) standen im Vordergrund.“
1992 aber meldete sich Koch zurück. Viermal gewann er mit dem LC Hannover die Deutsche Altersklassen-Mannschaftsmeisterschaft, erreichte in der M40 immer noch Topleistungen von 11,2 Sekunden über 100 Meter und 6,58 Metern im Weitsprung. Im Jahr 2000, inzwischen im Trikot der LG Bielefeld, holte er den Deutschen Meistertitel der M50 über 60 Meter, 2006 wiederholte er diesen Erfolg in der M55.
„Seitdem habe ich immer regelmäßig mit Bielefelder Mannschaften an den Deutschen Seniorenmeisterschaften teilgenommen, zuletzt 2018 in Baunatal.“ Auch in Zukunft will Koch, der inzwischen pensioniert ist und in Beverungen lebt, sportlich aktiv bleiben. „2019 habe ich eine Wettkampfpause eingelegt, 2020 ist aber wieder ein Start in der M70 vorgesehen.“ Auch Tischtennis spielt er weiterhin, ein Sprung über die Platte ist aber nicht mehr drin.

 

Training

Nach seinem Wechsel zum TSV Bayer 04 Leverkusen stiegen die Trainingsanforderungen für Koch deutlich. Beim TSV Udenhausen hatte er ein Mal wöchentlich trainiert und im Sommer viele Wettkämpfe bestritten. Unter Bundestrainer Bert Sumser bekam das Training eine andere Qualität. Vier bis fünf Einheiten die Woche standen auf dem Plan. „Ein typisches Schnelligkeitsausdauertraining bestand beispielsweise aus vier 100-Meter-Läufen in 11,2 bis 11,3 Sekunden mit 100 Metern Trabpause, vier 200-Meter-Sprints in 25 bis 26 Sekunden mit 200 Metern Trabpause und dann noch drei 300-Meter-Läufen in 37 bis 38 Sekunden mit 300 Metern Trabpause.“ Auch Krafttraining mit der Hantel und dynamisches Krafttraining wie Sprungläufe standen regelmäßig auf dem Programm.

 

Ewige Bestenliste des Leichtathletikkreises Hofgeismar

(s. auch https://hofgeismar.hlv.de/fileadmin/kreise/hofgeismar/Extras/Rekordlisten/EwigeBestenliste.pdf)

 

100 Meter

10,6 Franz Koch 29.09.1971

10,82 Rüdiger Kepper 19.05.1990

10,7 Lars Frick 09.05.1992

10,8 Frank Waldherr 27.05.1989

10,8 Michael Pleßmann 10.06.1992

10,9 Uwe Flotho 24.09.1980

10,9 Manfred Hoffmann 25.06.1983

10,9 Stefan Klinge 20.05.1989

10,9 Manuel Dornemann 10.05.1997

10,9 Bülent Bulut 01.05.1998

 

Weitsprung

7,23 Franz Koch 22.05.1971

7,21 Günter Zeiß 17.06.1972

7,11 Ulrich Schnürer 25.06.1978

7,00 Uwe Flotho 09.05.1987

6,86 Mustafa Hallal 11.06.2005

6,81 Christian Mittnacht 26.06.1994

6,71 Stefan Klinge 09.05.1990

6,66 Hendrik Bödige 14.09.1991

6,60 Thorsten Weida 13.07.1978

6,56 Mark Koch 22.05.1985